Eine Krippe auf westfälische Art

Foto: P. Gielsok

Die Krippe in der Mettinger St.-Agatha-Kirche wurde in diesem Jahr auf der Altarinsel aufgebaut. Aufgrund der Coronakrise hatte sich das Seelsorgeteam für die platzsparendere Variante entschieden. Texte: Claudia Keller, Mettingen

Die Heimatkrippe in der Pfarrkirche St. Agatha wird 90 Jahre alt. (2020) Doch zu diesem „Geburtstag“ ist coronabedingt einiges anders. Die Darstellung der Geburt Christi steht nicht wie gewohnt in der rechten Seitenkapelle, sondern direkt vor dem am 4. Januar 2009 von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck geweihten Altar. „Von Heiligabend bis zum Fest der Darstellung des Herrn, an Maria Lichtmess (2. Februar), steht traditionell die Krippe in der St. -Agatha-Pfarrkirche“, erzählte Küster Ansgar Lefert. In der Tüöttengemeinde bleibt sie noch so lange stehen, wie es vor der Liturgiereform im Jahr 1969 Tradition war. Seit dieser Reform ist das Dreikönigsfest am 6. Januar – mit dem Fest „Erscheinung des Herrn“ ein markantes Datum – am darauffolgenden Sonntag. Immer zwischen 7. und 13. Januar endet die Weihnachtszeit. Die Kirche feiert dann die „Taufe des Herrn“, mit der Jesus öffentliches Auftreten beginnt.
„Die Tradition der Weihnachtskrippe geht auf den Heiligen Franz von Assisi zurück. Ihm war es wichtig, den Gläubigen das biblische Geschehen sichtbar und hörbar zu machen“, erklärt Pfarrer Timo Holtmann. 1223 ließ er mit der Bevölkerung in Greccio in der Nähe einer Einsiedelei im Rietital, 170 Kilometer südlich von Assisi, innerhalb einer Eucharistiefeier die Geschehnisse in Bethlehem nachspielen. Seitdem verbreitete sich langsam der Brauch in der katholischen Kirche, das Geschehen der Geburt Jesu sichtbar zu machen. Um 1930 hatte Pastor Anton Mehring (1912 bis 1945 Pfarrer in St. Agatha Mettingen) den Gedanken, eine Krippe typisch Mettinger Prägung anzuschaffen. Holzbildhauer Heinrich Bäumer aus Münster fertigte die Figuren aus Eichenholz und bemalte sie farbig. Der Künstler schuf dabei in münsterländisch-westfälischer Art. Neben Maria und Josef mit Ochse und Esel, den Hirten, Schafen, dem Kamel, dem Verkündigungsengel mit den vier schwebenden Putten im Barockstil sind die drei Weisen aus dem Morgenland auf dem Weg zum Kind in der Krippe. Es ist Pfarrer Nikolaus Heinrich Dreesmann, der auf dem Bild „Gottesdienst im Moor“ hinten in der Kirche zu sehen ist. Die alte Bauersfrau mit Umschlagtuch und Niewelkappe ist Oma Auguste Westerlage mit ihren zwei Enkeln. Ebenfalls zu sehen ist Schmied Josef Wielage mit Sohn Bernhard. Der Bauer mit Knotenstock ist der Vater von Pfarrer Mehring. In der Mettinger Krippe fehlen auch nicht der Tüötte Alexander Meyknecht, ein Zeitgenosse des 19. Jahrhunderts, und der Bergmann und Kirchenschweizer August Brüggemann.
Auch der Krippenstall hat eine typische Mettinger Prägung. Zum Stall von Bethlehem wurde das Anfang der 1930er Jahre von der Familie Frehe bewohnte Heuerhaus, das zum Boeckerschen Hof gehörte. Es ist ein typisches Heuerhaus aus der Bauernschaft Ambergen, das heutige „Krippken“.
„Sicherlich prägend für diesen Krippenstil war der gebürtige Mettinger Franziskanerpater Siegfried Schneider“, berichtet Holtmann. Er wurde 1894 als Sohn des Kaufmanns Leo Schneider geboren. Dabei wurde er auf Namen Josef Schneider getauft. 1914 trat er in den Orden der Franziskaner ein und erhielt den Namen Siegfried. Der römisch-katholische Priester war Verfasser zahlreicher christlicher Literatur. Dabei machte er sich vor allem um die Erneuerung und Pflege der religiösen Krippenkunst und die Entstehung der modernen Krippenbewegung verdient. Es ist größtenteils sein Verdienst, dass die gegenüber dem Weihnachtsbaum zunehmend verdrängte und säkularisierte Krippe wieder Fuß fasste. „Wegen seines Einsatzes für das Krippenapostolat im deutschen Sprachraum wird er bis heute liebevoll Krippenpater genannt“, so Pastor Holtmann. (Hier finden Sie weitere Informationen über den Krippenpater) 

Fotos: P. Gielsok

Zum 90. Geburtstag hat die Gemeinde die Darstellung der Geburt Jesu vor dem Altar aufgebaut. „Die heimatnahe Darstellung erfreut in jedem Jahr zahlreiche Besucher. Es wäre in der Seitenkapelle sehr schwierig gewesen, die nötigen Abstandsregeln einzuhalten und so haben wir die Krippe auf die Altarinsel geholt“, so sagte Pastor Holtmann. Die neue Inszenierung in der Coronazeit komme sehr gut an. Wie hat Pfarrer Mehring stets gesagt: „Gott kommt in die Welt, und zwar heute und jetzt.“
Texte: Claudia Keller, Mettingen